Maslow, virtuelle Bedürfnisse und warum ich immer JEDEN Scheiß poste!

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Maslow, aber digital!

Hallo liebe Leser:innen,

… seid ihr bei Facebook? Wahrscheinlich!
… nutzt ihr Twitter? Vielleicht!
… und „pinnt“ ihr bei Pinterest? Möglich!
… aber zumindest fotografieren mit instagram!

Alle von uns sind höchstwahrscheinlich auf einer der unendlich vielen Social Media Plattformen angemeldet und nutzen deren Angebote mehr oder minder intensiv. Die Liste ist ja wahrlich auch lang genug, als dass jedes noch so abwegige Interessengebiet abgedeckt werden würde, sei es nun die unendliche Odysee nach Freunden und Fans auf FB oder der Bilder-Tausch-Wahn bei Pinterest (Nebenbei: Lesenswerter Artikel auf dem Gefahrgut-Blog meiner HDM Kollegas!).

Was auch immer die Intention hinter dem einzelnen User und dessen Vorliebe für die jeweilige Plattform sein mag, oft poppt mir auf meinen Reisen durch das SMWWW (Social Media World Wide Web), der Lektüre einiger Kommentare und Posts folgende frage durch den Kopf: „Wen interessiert das eigentlich?“

Weil diese Frage nicht nur mich, sondern auch meinen geschätzten Kommilitonen Chris F. interessierte, haben wir vor einiger Zeit eine Präsentation ausgearbeitet, die sich mit der Evolution des Social Web, der Motivation der User und möglicher Hintergründe des Erfolges des Internet 4.8.9.0… (!!!) beschäftigte und kamen zu interessanten Ergebnissen, die ich nun mit euch teilen möchten. Aber vorerst werde ich in diesem Artikel auf die Motivationstheorie Maslows eingehen (und mich weniger mit der evolutionären Thematik des Social Web beschäftigen) und dann versuchen, euch eine Zusammenfassung unsere Ergebnisse und Thesen ein wenig näher zu bringen.

Abraham H. Maslows Theorie:

Bei Experimenten zur Erforschung von Persönlichkeitstheorien arbeitete Maslow in seiner frühen Karriere mit Affen und deren Vehalten. Dabei beobachtete er, dass die Bedürfnisse der Versuchsaffen je nach Umstand ihrer Umwelt hierarchisch aufgebaut waren, d.h. dass einige Bedürfnisse stärker ausgeprägt waren als andere. Diese Beobachtungen sollten der Anstoß zu Maslows zukünftigen Forschungen und deren Übertragung auf das menschliche Individuum sein, wie wir sie heute kennen. Er entwickelte seine Beobachtungen weiter und bildete aus seiner pychologischen Grundhaltung dem Menschen gegenüber ein Modell der Motivation (Bedürfnispyramide), welches sich in Form einer Pyramide in fünf Stufen unterteilt. Die verschiedenen Stufen bauen sich hierarchisch auf und beschreiben demnach (und sehr vereinfacht ausgedrückt) die Priorität bei der Befriedigung dieser Bedürfnisse. Die unterste Ebene bildet somit das Fundament aller menschlichen Bedürfnisse. Hier eine Visualisierung der Bedürfnispyramide:

Die untersten Stufen dieser Bedürfnispyramide werden allgemein als sogenannte „Daseins-Bedürfnisse“ betitelt, will heißen: Es sind Grundbedürfnisse, die jeder Art des kognitiven Prozesses beim Menschen vorgelagert sind. Diese Bedürfnisse sind grundlegende Bedürfnisse eines jeden Menschen. Darunter fallen beispielsweise rudimentäre, sogenannte „physiologische Bedürfnisse“ wie das Essen, Trinken, Schlafen, Sexualität, Sauerstoff, etc. und das Bedürfnis eines Menschen nach „Sicherheit“. Diese können beispielsweise sein: Materielle Sicherheit, Lebenssicherheit, Existenzsicherung, Stabilität, Gesetze oder die Gesundheit.

Es macht also durchaus Sinn, zu behaupten, dass die oberen drei Stufen der Bedürfnispyramide latent sind, d.h., sich noch nicht zeigen so lange man nicht die rudimentären, physiologischen- und Sicherheitsbedürfnisse befriedigt hat.

Soviel zu Maslows Theorie in vereinfachter Weise. (Info: Mittlerweile wird Maslows Theorie nicht mehr als allgemeingültig bewertet und unter Psychologen neu diskutiert. Aber dies ist ein anderes Thema. Drum verzeiht mir, liebe Psychologen der Welt, wenn ich versuchte, die Theorie Maslows auf ein einigermaßen verständliches Deutsch herunter zu brechen.)

Maslows Theorie und die „virtuellen Bedürfnisse“:

Aufbauend auf dieser Theorie der Bedürfnisbefriedigung und Motivationserklärung des Menschen nach Maslow, versuchten wir (also Chris und ich) analog die Motivation von Web 2.0 Usern zu erklären. Da diese Bedürfnisse eher auf psychologischen und sozialen, denn physiologischen oder sicherheitsbedingten Motivationen beruhen, konzentrierten wir uns nur auf zwei der insgesamt 5 Stufen der Pyramide:

  1. Soziale Bedürfnisse: Familie, Freunde, Partnerschaft, Liebe, Intimität, Kommunikation, Arbeitsklima
  2. Individualbedürfnisse: Höhere Wertschätzung durch Status, Respekt, Anerkennung, Wohlstand, Einfluss, private und berufliche Erfolge, mentale und körperliche Stärke

Die Frage, die sich nun stellt ist die, ob die Motivation der Bedürfnisbefriedigung des „analogen“ Menschen auf die  Motivationen des „virtuellen“ Web 2.0-Users übertragbar sind und womöglich ebenso auf archaischen Gefühlen beruht. Einige werden einwenden, dass es sich bei Internetusern ja auch um Menschen handelt… das ist natürlich richtig! *Klugscheißer!!!* 😉

Der wesentliche Aspekt, weshalb wir aber hier eine Unterscheidung zwischen „analoger Identität“ und „virtueller Identität“ vornehmen ist der, dass die Motivationen und Handlungen vieler User im Internet möglicherweise durch andere Intentionen bestimmt sind, als im realen Leben.

Wenden wir die Thesen nun direkt an! Auf Maslows Theorie bezogen, geht es also um rudimentäre Bedürfnisse, die der User verfolgt und die die Social Media Plattformen mit ihrem Angebot befriedigen.

  • Soziale Bedürfnisse:

    Soziale Bedürfnisse werden klassisch mit der Motivation des „Anschlusses“ erklärt. Was genau bedeutet das? Der Mensch versucht ein soziales Gleichgewicht zu schaffen in dem er ein Umfeld familiärer Zusammengehörigkeit schafft.  Dies kann die Familie selbst, aber ebenso den Freundeskreis, die Partnerschaft oder das Arbeitsklima betreffen, also Gebiete und Umfelder, die der sozialen Interaktion entsprechen.

    Virtuell-soziale Bedürfnisse: 
    Übertragen auf das Web 2.0 können das die virtuellen Freunde in Social Networks sein, oder Menschen ähnlicher spezifischer Interessen, wie Freunde in Foren, oder Partizipatoren von Spielegemeinschaften. Es geht dann weniger um den Akt des „Teilnehmens und sozialen Agierens“ selbst, als vielmehr um die Bildung von Interessengemeinschaften, in denen man sich verstanden und akzeptiert fühlt. In der virtuellen Welt generiert man somit eine Gemeinschaft, die der eines familiären Verbundes insofern nahe kommt, als dass man sich sicher und aufgehoben, verstanden und akzeptiert fühlt von einer Gemeinschaft Gleichgesinnter und unter Abschottung der Außenwelt im Sinne von Exklusivität.
    Beispiele hierfür: Foren, Spiele-Netzwerke, Interessengemeinschaften, Gruppen auf Facebook, etc.

  • Individualbedürfnisse

    Die Indiviualbedürfnisse definieren nach Maslow individuelle Wünsche nach höhere Wertschätzung durch Status, Respekt der Umwelt, Anerkennung, Wohlstand, Einfluss, private und berufliche Erfolge und/oder mentale Stärke.

    Virtuelle-Individualbedürfnisse:
    Auch hier finden wir Analogien zu virtuellen Bedürfnissen. Höhere Wertschätzung, Anerkennung , Respekt und Einfluss sind Motivationen, die eins zu eins auf die virtuelle Ebene übertragen werden können und manifestieren sich durch Aktionen im Web, die eben der Befriedigung jener Bedürfnisse dienen. Als Beispiel sei hier Facebook genannt. Als bekannteste aller Social Networks sind hier mittlerweile die meisten unserer „realen“ Freunde anzutreffen, außerdem auch solche, die wir entweder nur selten sehen oder gar überhaupt nicht persönlich kennen. Da jedweder persönlicher, will heißen reale Bezug zu unserer analog-realen Person –bis auf die Abbildung ausgewählter Bilder und ausgewählter Statusmeldungen– fehlt, ist es möglich, gezielt nur die Informationen über uns Preis zu geben, von denen wir auch möchten, dass sie in ihrer Gesamtheit an die Öffentlichkeit geraten. Das können bspw. Alben sein, in die wir nur Partybilder uploaden, um den Eindruck zu erwecken, dass es sich bei unserer virtuellen Persona um eine „Dauer-Party-feiernde Rampensau“ handelt, obwohl das möglicherweise in der Realität so gar nicht unserem Charakter entspricht. Da es hierbei keiner Verifizierung der Wahrheit bedarf, ist eine freie Imagegestaltung der Person möglich. So können punktuelle Ereignisse modifiziert dargestellt werden, um beim Gegenüber eine erwünschte Reaktion, wie bspw. Likes zu erzielen und unser eigenes Fremdbild zu modifizieren, bspw. als beliebter und viel-abbonierter Facebookuser (siehe Bsp. 3), Trendsetter bei Pinterest oder verrückter Vlogger bei Youtube!
    Beispiele hierfür: Youtube, Facebook, Pinterest, Twitter, klout und sooooo viele mehr!

Womit sonst könnte man sonst einige Handlungsweisen im Netz begründen? Als Beispiel seien folgende drei Beiträge auf Facebook angeführt:

Worin liegt hierbei die Intention des Users? Likes generieren? Aber wenn ja… worin liegt der Vorteil für den Onliner? Worin seine Motivation? Noch besser ist folgendes Bild! Die Frage, die hier gestellt wird ist so offensichtlich unnötig, dass jeder Mensch mit ein wenig Menschenverstand nicht wirklich lange überlegen müsste, bevor er sich für eine mögliche Antwort entscheidet! (Natürlich würde ich die LINKE Treppe wählen!!! ;-DD)

Hinter so manch einer Handlung steckt also mehr, als das bloße Bedürfnis, sozial aktiv zu sein und Inhalte mit Freunden zu teilen.  Es geht um Likes. Um Fans. Um „Gefällt mir“-Klicks, kurz: Um Aufmerksamkeit! Die Neon schrieb vor Jahren schon ziemlich treffend:

Und nur darum geht es bei Facebook. Alles, was wir online tun, folgt nur dem Ziel, dafür bezahlt zu werden, in der härtesten Währung unserer Zeit: Aufmerksamkeit. [1]

Wer bei obigen Beispielen selbst keine Interpretationsarbeit leisten möchte, dem sei nun Beispiel Drei ans Herz gelegt. Hier wirbt der Poster direkt mit „Likes“ und verspricht Followern einen direkten „Share“ auf seiner Seite… WTF?!?!?!

Soviel also zu Maslow und den „virtuellen Bedürfnissen“. In einem zukünftigen Artikel möchte ich diese These weiterführen… und dann wird’s richtig spannend. Im Zuge unserer Präsentation recherchierten wir nämlich im Internet nach Klassifizierungen typischen Internetverhaltens und einer Kategorisierung von Usern. Dabei stießen wir auf zwei besonders interessante Kategorisierungen der Internet-User und wandten die Theorie der „virtuellen Bedürfnisbefriedigung“ auf die verschiedenen User-Typologien an… very funny! Zusätzlich muss ich noch das Thema „Edge Rank“ aufgegriffen werden… Oh Gott! Das artet gerade aus! 😉

Folgt aber in Bälde…

Quellen:
[1] http://www.neon.de/artikel/freie-zeit/computer-internet/wir-facebook-schauspieler/685640

 

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