In den letzten Jahren wurde viel über generative KI gesprochen. Über Texte, Bilder, Videos, Automatisierung. Vieles davon war beeindruckend, manches überzogen. Doch was gerade im Zusammenspiel aus generativer KI, Prompting und Coding entsteht, geht deutlich weiter. Es verändert nicht nur, wie wir gestalten. Es verändert, was wir unter Gestaltung verstehen. Und wer überhaupt gestalten kann.
Ich sage das als Designer. Als jemand, der kommunikative Gestaltung von der Pike auf gelernt und über Jahre gelebt hat. Und selbst für jemanden wie mich drehen sich die letzten KI-Jahre spürbar schneller. Eine Frage drängt sich immer mehr auf:
Wer ist eigentlich noch Designer, wenn Design nicht mehr gestaltet werden muss?
Genau darin liegt die eigentliche Disruption. Denn die alte Welt des Designs war klar strukturiert. Ein Zusammenspiel aus Handwerk, Fachwissen und kreativer Fähigkeit. Wer gestalten wollte, musste Werkzeuge beherrschen. Adobe Programme, Layoutsysteme, Typografie, Druckdaten, Code. Dazu kam das Verständnis für Gestaltungsgesetze wie Farbenlehre, Komposition, Lesbarkeit, Markenlogik.
Erst darauf aufbauend entstand die eigentliche kreative Leistung, die Interpretation, letztlich eine Idee und Ausdruck. Gutes Design war nie Zufall. Es war das Ergebnis von Können, Erfahrung und Urteilskraft. Natürlich war auch früher nicht alles gut, nur weil es professionell gemacht wurde. Aber der Zugang war begrenzt. Gestaltung war an Fähigkeiten gebunden. Und genau diese Grenze fällt gerade.