Paris, Paris

Manchmal ist es gut, wenn Freunde mich zu etwas zwingen! Ich scheine von Zeit zu Zeit – und sei es auch nur selten – mit einer schrecklichen Voreingenommenheit gesegnet zu sein, die sich nur durch absoluten „Zwang zu meinem Glück“ lösen lässt.

So bin ich beispielsweise lange Zeit in meinem Leben selten verreist. Bis zu meinem 28. Lebensjahr war das Reisen etwas, das ich weder misste, oder das mich in irgendeiner Weise besonders gereizt hätte. Das ist wohl ein Teil meines kulturellen Erbes. Bei uns Türken ist das Reisen nicht so tief verankert, wie bei den Deutschen. Urlaub in der Türkei? Ok! Trips nach Thailand? Fehlanzeige! Thai… WHAT? (O-Ton Mama: „Ne yapacaksın orda oğlum, yaaa. Tailant, Mailant!?!?!“) 😉 Alle anderen Länder, die ferner als mein Heimatland lagen, waren in meinem Geiste also fast gar nicht existent. Erst durch die Bekanntschaft eines jener Menschen, der mittlerweile zu den wichtigsten in meinem Leben gehört, offenbarte sich mir die Vielfalt der Welt! Dank dieses Menschen eröffnete sich mir eine ganz neue Sicht auf das Reisen. Mehr als nur ein anderer Blickwinkel, erweiterte sich mein Horizont. Aber auch zu dieser Erkenntnis musste ich erst gezwungen werden. Denn im Laufe der Jahre hatte sich eine viel wesentlichere Hürde als mein Desinteresse am Reisen etabliert: Die Flugangst! Sie war die eigentliche Hürde, die mich abhielt, die Welt zu bereisen. Und so musste ich mit viel Überredungskunst, viel Feingefühl und viel Überzeugungskraft erst bearbeitet werden, bevor ich 2010 meine erste wirklich große Reise antrat: Ein Ausflug nach New York City! Es bedurfte neben psychologischer Begleitarbeit durch meinen Kumpel, verschiedenster Maßnahmen, Tabletten und eines Sitzes in der Business Class, bevor ich mich traute, die Reise anzutreten.

Dieser unglaublich fantastischen Reise folgten mehr und mehr. Heute war ich noch nicht annähernd überall, aber zumindest habe ich mittlerweile Länder und Städte sehen dürfen, die mir zuvor nur ein einfacher Begriff waren… wenn überhaupt!

Eine dieser Städte war Paris. 2011 war ich mit besagtem Freund in dieser Stadt und entgegen jeder Voreingenommenheit und meines inneren Widerstandes, erwies sich die Hauptstadt Frankreichs als wahre Inspirationsquelle für mich. Vor einigen Tage nun entdeckte ich ein paar verschriftlichte Eindrücke, die ich damals in meinem Notizbuch vermerkt hatte. All die Zeit später liest sich das recht lustig und vielleicht teilt ja der ein oder andere meine Eindrücke von den Franzosen. Nun denn… Sechs Dinge, die ich über Franzosen gelernt habe:

  • Franzosen wären auf einer Skala das eine Extrem, die Deutschen das andere… egal, was/wie/wann/wo/wieso/weshalb/warum!!!
  • Franzosen fahren gerne Auto… seien die Straßen noch so eng, mögen noch so viele Fassaden abgekratzt oder möglicherweise Passanten in die Bredouille kommen. Es gibt nur eine Regel: Das Auto siegt!
  • Franzosen erwachen erst dann aus Ihrer mit Stolz und gerne zur Schau gestellten „Lethargie des Lebens“, wenn Punkt 2 sie dazu zwingt und die Alternative der Verkehrstod oder ein Hörsturz wegen Dauerhupens wäre.
  • Die „Lethargier des Lebens“ ist das, was uns Deutsche rasend macht. In Frankreich bspw. wartet man im Supermarkt an der einzig geöffneten von 8 Kassen gut und gerne 10 Minuten, weil Madame erst den neuesten tratsch mit den Kollegen austauschen muss.
  • Franzosen lachen nicht. Sie schmunzeln, kräuseln die Lippen, heben Augenbrauen. Lacht man laut auf, hat man als Deutsch-Türke das Gefühl, sie verfielen in eine augenblickliche Schock-Starre.
  • Französinnen schminken sich gerne und sehen dennoch nie aus wie abgehalfterte Straßenschwalben. Das Motto scheint: „Ich will Schönheit unterstreichen und betonen!“ und nicht „Ich will möglichst austauschbar ausschauen!“

Paris ist eine wundervolle Stadt. Ich liebe alles dort. Und entgegen aller lapidaren Warnungen vor den unfreundlichen Franzosen, waren die Pariser ganz wundervoll, Menschen, wie auch Örtlichkeiten. Auf jeden Fall werde ich dort wieder hingehen… und diesmal braucht mich auch niemand zu zwingen. ☺

 

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